Das große Tabletten-ABC

Unter dem Begriff "Tablette" tummelt sich eine Heerschar von unterschiedlichen Formen und Mechanismen fester Darreichungsformen von Medikamenten. Wir stellen die wichtigsten und gängigsten Arten vor und zeigen, was bei der Einnahme zu beachten ist. Lesen Sie sich vor der Einnahme von Medikamenten immer die Packungsbeilage sorgfältig durch oder wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie Fragen haben.

Brausetabletten

Auch in Brausetabletten kann eine größere Wirkstoffmenge untergebracht werden. Durch das Auflösen in Wasser entsteht dann ein Getränk, das einfach geschluckt werden kann. Menschen, die eine natriumarme Diät einzuhalten haben, sollten jedoch vorsichtig mit Brausetabletten umgehen. Denn der sprudelnde Zusatz Natriumcarbonat kann in großer Menge enthalten sein.

Filmtabletten und Dragees

Ein Filmüberzug dient dazu Tabletten vor Licht zu schützen, weitere Vorteile sind die leichtere Schluckbarkeit dieser überzogenen Tabletten sowie die Überdeckung eines unangenehmen Geschmacks. Dragees sind aus denselben Gründen mit einer Zuckerschicht überzogen.

Kautabletten und Lutschtabletten

Wenn die Wirkstoffmenge größer ist als in eine gut schluckbare Tablette passt, dann kann eine Kau- oder Lutschtablette eine Möglichkeit darstellen. Ein Beispiel dafür stellen Tabletten gegen Osteoporose dar, die eine große Menge Kalzium enthalten.

Auch wenn der Wirkstoff möglichst im Mund-Rachen-Raum zum Einsatz kommen soll, ist die schrittweise Auflösung vor Ort von Vorteil. Zum Beispiel bei Medikamenten gegen Erkältungskrankheiten.

Lingualtabletten und Sublingualtabletten

Lingualtabletten werden auch Schmelztabletten genannt und haben in der Regel keinen Überzug. Sie lösen sich rasch im Mund auf und der Inhalt wird dann verschluckt.

Sublingualtabletten werden unter die Zunge gelegt und lösen sich dort auf. Der Wirkstoff wird dort von der Zunge und der Mundschleimhaut aufgenommen.

Hartkapseln

Hartkapseln bestehen aus zwei Hälften, die mit Granulat, Pulver, Pellets oder einer Flüssigkeit gefüllt sein können. Hartkapseln können vom Apotheker individuell für den Patienten befüllt werden. Sie schwimmen häufig wegen des geringen Gewichtes oben im Mund und sind relativ schwer zu schlucken. Zudem können sie mit der trockenen Hülle am Gaumen kleben bleiben. Mit dem Nick-Trick geht Kapseln schlucken einfacher. Es ist davon abzuraten die beiden Kapselhälften auseinander zu ziehen und den Inhalt lose einzunehmen. Denn es kann von Medikament zu Medikament verschieden sein, ob der Inhalt auch ohne Kapsel wirkt oder eventuell sogar schädlich ist.

Weichkapseln

Weichkapseln sind im Gegensatz zu Hartkapseln nicht individuell befüllbar. Beim Inhalt der Weichkapseln handelt es sich immer um eine Flüssigkeit. Trotz des Namens sind sie nicht unbedingt weicher als Hartkapseln. Die Hülle enthält aber mehr Weichmacher. Wenn der Wirkstoff es zulässt, kann die Weichkapsel bei Schluckprobleme angestochen oder angebissen werden und nur der Inhalt eingenommen werden. Durch die glatte Oberfläche und das etwas höhere Eigengewicht rutschen Weichkapseln aber auch von selbst recht gut.

Magensaftresistente Tabletten/Kapseln

Manche Tabletten, Weichkapseln oder Hartkapseln sind mit einer magensaftresistenten Schicht überzogen. So kann sichergestellt werden, dass sich die Tablette oder Kapsel erst im Dünndarm auflöst und der Wirkstoff von dort in den Blutkreislauf gelangt. Der Überzug dient in einigen Fällen dazu, die Magenschleimhaut zu schützen, in anderen Fällen, den Wirkstoff vor der Zerstörung durch die Magensäure zu bewahren. Magensaftresistente Medikamente werden in der Regel 30 Minuten vor dem Essen eingenommen, um zusätzlich eine schnelle Magenpassage zu ermöglichen. Der magensaftresistente Überzug ist kein Garant für eine gute Schluckbarkeit der Tablette oder Kapsel. Hier können die Tipps und Tricks für eine einfachere Tabletteneinnahme helfen.

Retard-Tabletten/Kapseln

Retard-Tabletten entlassen ihren Wirkstoff langsam und dosiert auf ihrer Reise durch Magen und Darm.

Der Wirkstoff kann auf drei Arten freigesetzt werden:

1. mit konstanter Geschwindigkeit
2. mit abnehmender Geschwindigkeit
3. mit verzögerter Freisetzung

Diese Darreichungsform wird für Medikamente verwendet, die z.B. eine langanhaltende Wirkung durch einen gleichbleibenden Wirkstoffspiegel im Blut ermöglichen sollen, z.B. bei Mitteln gegen chronische Schmerzen. Eine Ummantelung zur besseren Schluckbarkeit, z. B. mit MEDCOAT® Schluckhilfe, hat keinerlei Auswirkung auf die Retardierung und kann daher problemlos eingesetzt werden.